ZWEITES LEBEN FÜR GEBRAUCHTBATTERIEN AUS ELEKTROAUTOS IN HAMBURG

DEUTSCHLAND Vattenfall, BMW und Bosch bauen mit gebrauchten Batterien aus Elektroautos einen Stromspeicher.

In Hamburg werden elektrische Verkehrsmittel noch nachhaltiger, indem alte Batterien aus Elektroautos wiederverwertet und zu einem riesigen Energiespeicher zusammengeschaltet werden. Vattenfall hat im Hamburger Hafenviertel eine Testanlage mit 2.600 Batteriemodulen aus mehr als 100 Elektrofahrzeugen von BMW eröffnet.

Die Anlage kann 2.800 Kilowattstunden speichern und zwei Megawatt Strom liefern. Der Haupteinsatzzweck besteht jedoch nicht darin, Energie für z. B. windarme Tage zu speichern, sondern die Netzfrequenz auf 50 Hz stabil zu halten. 

Batterien sind ideal
Die Fähigkeit zur Stabilisierung der Netzfrequenz wird mit zunehmender Einspeisung von wetterabhängigen Stromquellen in das Netz immer wichtiger. Batterien sind dafür ideal geeignet, da sie in Bruchteilen von Sekunden zwischen der Aufnahme und Abgabe von Strom umschalten können.

Bei dem Projekt werden Lithiumionen-Batterien aus einer  BMW -Testflotte von Elektrofahrzeug, die das Ende ihres Lebenszyklus im Fahrzeug erreicht haben, wiederverwertet. Sie erhalten so ein zweites Leben. Bosch hat die technische Lösung geliefert und die Batterien sowie die intelligente Steuerelektronik eingebaut. Vattenfall kümmert sich um Betrieb und Marktzugang des Batteriespeichers.

„Im Zuge der Weiterentwicklung der Elektromobilität werden gebrauchte Batterien eine wichtige Rolle spielen. Unser Projekt überbrückt die Zeit bis zu einem großtechnischen Recycling-Prozess. Derzeit sind noch nicht allzu viele Batterien verfügbar - diese stammen aus der Testflotte von BMW -, aber wenn der Zeitpunkt kommt, wollen wir bereit sein“, blickt Daniel Hustadt, Projektleiter des Energiespeichers Hamburg bei Vattenfall, voraus.

2017 in Betrieb
Vattenfalls Zwei-Megawatt-Anlage befindet sich derzeit in der Testphase und wird Anfang 2017 an das Netz angeschlossen. Im Betrieb eines Elektrofahrzeuges schaltet die Batterie in der Regel alle paar Sekunden zwischen Auf- und Entlademodus um. Gemäß den Anforderungen des Netzbetreibers muss die Anlage nun jedoch in der Lage sein, ununterbrochenen Strom für 15 Minuten ins Netz zu liefern.

Die Primärregelleistung wird auf den nationalen Strommärkten gehandelt. In Deutschland kauft der Netzbetreiber pro Woche mehr als 600 MW - derzeit überwiegend Strom aus Heiz- und Pumpspeicherkraftwerken - zu einem Preis zwischen 2.000 und 3.000 Euro pro Megawatt.

„Es gibt einen wachsenden Markt für Batteriekapazität, um das Netz stabil zu halten, aber die Preise werden voraussichtlich mit weiterer Abnahme der Batteriepreise sinken. Deshalb entwickeln wir eine zunehmende Pipeline von Projekten in Bereichen, in denen wir über einen Wettbewerbsvorteil verfügen. Darüber hinaus bieten wir die Installation von Batterien am Standort unserer Kunden an“, erläutert Claus Wattendrup, Business Development Manager in der Business Area Wind bei Vattenfall.

Riesige Batterie in Großbritannien
In Großbritannien hat Vattenfall vor kurzem den Zuschlag erhalten, eine noch größere 22-MW-Batterieanlage für das landesweite Netz auf dem Gelände seines Windparks „Pen y Cymoedd“ zu bauen. Die für diese Anlage eingesetzten Batterien wurden zuvor noch nicht für andere Zwecke verwendet.

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