WINDKRAFT ÜBERHOLT KOHLE IN EUROPA

EuropA Die europäische Energiehierarchie hat sich 2016 geändert. Zum ersten Mal wurde in Europa mit Windkraft mehr elektrische Leistung als mit Kohle erzeugt – dies wird nur noch von Gas übertroffen.

Windkraft ist 2016 zur zweitgrößten Stromerzeugungsquelle aufgestiegen, wenn auch mit geringer Marge. Von der EU-weiten Stromerzeugungskapazität entfallen nun 16,7 Prozent auf den Windsektor – im Gegensatz zur Kohle mit 16,5 Prozent. Dies geht aus einem Bericht hervor, den die europäische Windenergieorganisation WindEurope veröffentlicht hat.

Das Wachstum bei der Windkraft ist ein Trend, der sich bereits in den letzten zehn Jahren in Europa abgezeichnet hat. Bereits im Jahr 2007 hatte  die Windenergie die Stromerzeugungskapazität von Heizöl überholt. Es folgten 2013 die Erzeugungskapazität der Kernkraft, 2015 die der Wasserkraft und schließlich 2016 die der Kohle. Lediglich Gas hat noch einen größeren Anteil. Allein im Jahr 2016 beliefen sich neue Windkraftkapazitäten auf 12,5 GW, dies entspricht einem Anteil von 51 Prozent der gesamten neu installierten Energieerzeugungskapazitäten in der EU. Angesichts des Umstands, dass im gleichen Zeitraum 7,6 GW Kohlekapazitäten außer Betrieb genommenen wurden, ist diese neue Position jedoch nicht mehr ganz so überraschend.

Quelle: WindEurope

Quelle: WindEurope

Die kumulierte Stromerzeugungskapazität in der EU zwischen 2005 und 2016 zeigt einen stetig steigenden Aufwärtstrend der Windkraft. Andere Energieerzeugungsquellen werden nacheinander überholt. Aktuell ist nur noch Gas größer als Wind.

Aus Sicht von Vattenfall ist es interessant, dass das Unternehmen in drei von vier Ländern aktiv ist, die 2016 am meisten zu dieser Entwicklung beigetragen haben. Der deutsche Anteil der neu installierten Kapazitäten macht erstaunliche 43,6 Prozent aus, die Niederlande und UK hatten einen Anteil von 7,1 Prozent bzw. 5,9 Prozent. Frankreich kommt mit 12,5 Prozent Anteil auf Platz zwei, hier betreibt Vattenfall keine Windkraftanlagen. . Interessant ist auch, dass Dänemark laut WindEurope beim Anteil der Windkraft an der nationalen Stromversorgung mit 36,8 Prozent führend war, gefolgt von Irland an zweiter Stelle mit einem Anteil von 27,0 Prozent.

Quelle: WindEurope

Quelle: WindEurope

Von den im Jahr 2016 insgesamt 12,5 GW in der EU neu installierten Windkapazitäten hatten Deutschland, Frankreich, die Niederlande und UK die größten Anteile.

Giles Dickson, Chief Executive Officer of WindEurope, äußert sich dazu:
„Windenergie ist inzwischen ein fester und unverzichtbarer Bestandteil der europäischen Stromversorgung. Sie hat sich zu einer bedeutenden Branche entwickelt, die 330.000 Menschen Arbeitsplätze bietet und die europäischen Exporte in Milliardenhöhe unterstützt.“

Gunnar Groebler, Head of Wind bei Vattenfall, stimmt dem zu und freut sich , dass Vattenfall in den am stärksten wachsenden europäischen Märkten aktiv ist. Er glaubt, dass es für die Wind-Teams inspirierend und motivierend ist, Teil dieser Entwicklung in Europa zu sein. Groebler weist darauf hin, dass die Zahlen der einzelnen Länder von Jahr zu Jahr schwanken können, da neue Windpark-Projekte ausgeschrieben werden, und sich politische und gesetzliche Initiativen ändern. Laut Groebler könnte der neu gewonnene Status der Windkraft jedoch auch eine Art Perspektivwechsel in der Politik begünstigen, wenn es darum geht, den Schwerpunkt in Zukunft noch stärker auf neue Windkraftprojekte zu legen.

Quelle: WindEurope

Quelle: WindEurope

Dänemark hatte 2016 den größten Windkraft-Anteil an der nationalen Stromversorgung in der EU.

Groebler ist sich der zukünftigen Position Vattenfalls im europäischen Energiemarkt ziemlich sicher:
„Wir sind definitiv das Drehkreuz der europäischen Windkraftentwicklung und befinden uns in einer ausgezeichneten Position, um unsere Rolle in der fortgesetzten Entwicklung neuer Kapazitäten wahrzunehmen. Wir haben uns das Ziel gesetzt, jährlich um 400 bis 600 MW zu wachsen. In den kommenden Jahren werden Projekte wie Horns Rev 3 in Dänemark, Aberdeen Bay in UK, das Offshore-Projekt Sandbank in Deutschland sowie die Onshore-Projekte Pen y Cymoedd und Ray in UK dazu über 1000 MW beitragen. Langfristig betrachtet haben wir bereits das dänische Kriegers Flak und die zwei ebenfalls dänischen Near-Shore-Projekte mit einer Gesamtkapazität von etwa 1000 MW unterzeichnet. Der Ausschreibungsprozess bringt uns zwangsweise jedes Mal dazu, sich neu zu überlegen, wie man einen Windpark noch effizienter planen, entwickeln, errichten und betreiben kann. Mit einem Offshore-Projekt bei einem Preis von unter 50 EUR/MWh haben wir bereits bewiesen, dass derartige Anstrengungen etwas in der Branche bewegen können.“

Laut Groebler ist Vattenfalls Windgeschäft auf dem richtigen Kurs: Die Strategieziele der bestehenden Pipeline werden erfüllt oder sogar übererfüllt. Es gibt Pläne für den Thanet-Windpark sowie Norfolk Vanguard (3,6 GW) und Norfolk Boreas. Außerdem stehen potenzielle Projekte an, wie die drei deutschen Nordsee-Projekte, an deren Ausschreibungen sich Vattenfall beteiligen wird.

UK ganz im EU-weiten Trend
Zum ersten Mal wurde 2016 im Vereinigten Königreich mehr Strom mit Windkraft als mit Kohle erzeugt. Laut Untersuchungen der britischen Organisation Carbon Brief entsprach 2016 der Anteil der Windkraft an der gesamten Stromproduktion im Vereinigten Königreich 11,5 Prozent gegenüber Kohle mit 9,2 Prozent. Im April 2016 hat Windkraft erstmals Kohle überholt und es scheint so, also ob die geflügelten Energieerzeugungsmaschinen seitdem nicht an Schwung verloren haben. Dies ist eine relativ revolutionäre Entwicklung für eine Nation, in der Kohle historisch schon immer eine herausragende Rolle gespielt hat.

Letztlich wurde die industrielle Revolution im Vereinigten Königreich durch Kohle ermöglicht. Sie war der Hauptbrennstoff für Dampfmaschinen und befeuerte im 20. Jahrhundert den Großteil der landesweiten Kraftwerke. Um 1920 herum waren mehr als eine Million Menschen in den Kohlebergwerken beschäftigt, die über das ganze Land verteilt waren. In den frühen 1990er Jahren wurde Kohle jedoch zunehmend von Gas verdrängt und ab den frühen 2000er Jahren eroberten auch die erneuerbaren Energien im Zuge des wachsenden Bewusstseins für den Klimawandel und CO2-Emissionen zunehmend Anteile am Energiemarkt. Zwischen 2010 und 2016 ist die kohlebasierte Stromerzeugung um 59 Prozent zurückgegangen. Im November 2016 hat die britische Regierung die Schließung aller Kohlekraftwerke bis 2025 verkündet.

Dies deckt sich mit dem gesamteuropäischen Trend, wie ihn auch der Bericht von WindEurope beschreibt. Wie aber wird diese Entwicklung im Vereinigten Königreich gesehen?

Mary Thorogood, Stakeholder Relations Adviser UK von Vattenfall, sieht darin einen bedeutenden Moment für das Vereinigte Königreich und betrachtet dies auch zum großen Teil als Ergebnis der jahrelangen Investition der britischen Regierung in erneuerbare Energien.

„Die ehrgeizigen Emissionssenkungsziele, die die britische Regierung vorgegeben hat – die übrigens strenger sind, als die der EU – haben der Wirtschaft einen klaren Weg zur Dekarbonisierung vorgegeben, in den sie investieren können.  Parallel zu diesen Zielen hat die britische Regierung bereits den schrittweisen Ausstieg aus der Kohle bis 2025 beschlossen, doch ist erkennbar, dass sich der Markt bereits jetzt rasant in diese Richtung entwickelt.  Die britische Regierung hält seit der Abstimmung für den Brexit weiterhin eindeutig an ihrer Verpflichtung zur Dekarbonisierung fest“, sagt sie.

Quelle: Carbon Brief.

Quelle: Carbon Brief.

Zum ersten Mal wurde 2016 im Vereinigten Königreich mehr Strom mit Windkraft als mit Kohle erzeugt.

Laut Thorogoods besteht wenig Zweifel daran, dass die britische Regierung die Offshore-Windkraft uneingeschränkt unterstützt. Grund hierfür seien die Vorteile, dass es sich um saubere Energie handelt, die im eigenen Land erzeugt wird und der Wirtschaft zudem neue Möglichkeiten bietet.  

„Die bevorstehende Subventionsausschreibung (CFDs, Contracts for Difference = Differenzkontrakte) wird parallel zu den Entwicklungen unseren anderen Märkten erhebliche Kostensenkungen für Offshore-Windkraft mit sich bringen.  An dieser Auktion nehmen wir nicht teil, freuen uns aber schon auf unsere nächsten Offshore-Projekte Thanet Extension und Norfolk Vanguard. Wir wollen die nächsten Ausschreibungen gewinnen und auf unseren bestehenden 590 MW in britischen Gewässern aufbauen“, so Thorogood abschließend.  
Interview mit Gunnar Groebler „Subventionsfreie Windkraft voraussichtlich bis 2020 möglich“

Ähnliche Themen