WEG MIT DEM PLASTIKMÜLL

SCHWEDEN Plastik ist eine Umweltsünde, durch die große Mengen an CO2-Emissionen in die Atmosphäre gelangen und die Meere mit Mikropartikeln belastet werden, die sich auf das Meeresleben auswirken. Wir machen uns auf die Suche nach den Hauptursachen.

Wissensdefizite über Plastik in Verbindung mit allgemeiner Sorglosigkeit lassen uns als Plastiknutzer unabsichtlich zu einer Umweltgefahr werden.

Deshalb ist es jetzt an der Zeit, das Bewusstsein zu steigern:

„Wir reden oft über fossilfreie Energie und Pkw-Flotten – aber selten über fossilfreies Plastik. Es ist höchste Zeit, das zu tun, weil Plastik lange Zeit ein verborgener Faktor unter den CO2-Sündern war", erläutert Anna Karlsson, Environmental Specialist in Vattenfalls Abfallverbrennungsanlage in Uppsala, der viertgrößten Stadt Schwedens.

Sie leitet eine Arbeitsgemeinschaft in Uppsala, die es sich zum Ziel gesetzt hat, fossiles Plastik aus unserer Gesellschaft zu verbannen. Die Jagd auf Plastik ist für Vattenfall von Bedeutung, da verschiedene Arten von Plastik, zum Beispiel Müllbeutel und Verpackungen, noch immer aus fossilem Öl hergestellt werden. Die bei der Verbrennung des Mülls entstehenden Kohlendioxid-emissionen sind in Vattenfalls Anlage in Uppsala zu einem offensichtlichen Problem geworden.

Einer Tonne Kohlendioxid pro Einwohner
In dieser Stadt entstehen durch die Plastiknutzung jährlich rund 140.000 Tonnen Kohlendioxid. Das entspricht einer Tonne Kohlendioxid pro Einwohner oder zehn Prozent der Gesamtemissionen.

„Dadurch wird es schwieriger, die Emissionsziele für 2030 zu erreichen. Wir bei Vattenfall können dieses Problem nicht selbst lösen, sondern arbeiten dabei mit der Gesellschaft zusammen, nicht zu-letzt durch ein Kooperationsabkommen mit der Stadt Uppsala", sagt -Karlsson.

In der Natur weggeworfenes Plastik setzt letztlich dieselbe Menge an Kohlendioxid frei, wie bei seiner Verbrennung entstehen würde. Der Unterschied ist, dass der Zersetzungsprozess länger dauert.

„Wir brauchen mehr Recycling, eine bessere Trennung an der Quelle und mehr Wiederverwertung. Außerdem muss die Politik Anreize bieten, um auf ölbasierte Kunststoffe in Gegenständen wie Verpackungen zu verzichten und stattdessen zu erneuerbaren Lösungen wie biobasierten Kunststoffen überzugehen", sagt Karlsson.

Immer häufiger taucht der Begriff Bioplastik auf, der jedoch nicht immer so umweltfreundlich ist, wie er klingt. Bioplastik bezeichnet zwei unterschiedliche Dinge: die Herkunft des zugrunde liegenden Rohstoffs und die Eigenschaft der biologischen Abbaubarkeit.

„Das kann leider verwirrend sein, weil abbaubarer Kunststoff sowohl aus fossilen als auch aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellt werden kann", sagt Karlsson.

Die Politiker haben die Bedeutung dieses Themas inzwischen erkannt. Frankreich, Deutschland und Großbritannien haben Gesetze und Vorschriften eingeführt, die die gewohnte Nutzung von Gegenständen wie Plastiktüten verringern sollen.

Vieles liegt aber am Verbraucher. Um der Umweltverschmutzung und dem immer schnelleren Verbrauch der endlichen Erdressourcen entgegenzuwirken, müssen wir uns von dem Prinzip „kaufen, benutzen und wegwerfen" verabschieden.

„Eine Verpackung zu kaufen und sie dann einfach wegzuwerfen, ist nicht besonders intelligent. Wo Einwegverpackungen unvermeidbar sind, sollten wir dafür sorgen, dass sie aus erneuerbarem Material wie Papier oder einem aus erneuerbaren
Rohstoffen hergestellten und recycel-baren Kunststoff bestehen", so Karlssons Fazit.

Oona Lönnstedt

Oona Lönnstedt

Grosse Gefahr für das meeresleben
Plastikmüll, der in den Meeren landet, verbleibt dort, auch wenn er im Laufe der Zeit nicht mehr sichtbar ist. Er wird zersetzt, langsam von den Wellen zerkleinert und an Strände geschwemmt. Durch die Sonnenstrahlen wird er dabei immer spröder. Die Plastikrückstände werden immer kleiner, bis sie schließlich gar nicht mehr sichtbar sind. Dadurch entsteht der Eindruck, das Plastik sei verschwunden, indem es sich zersetzt hat. Es bleibt aber in Form von mikroskopisch kleinen Fragmenten erhalten, die wie eine Art künstliches Plankton im Wasser schweben.

„Es scheint, dass das Mikroplastik einen attraktiven Geruch abgibt, den die Larven mit kleinen Nahrungspartikeln verwechseln", erläutert Dr. Oona Lönnstedt, Forscherin an der Universität Uppsala.

Bei den Forschungsarbeiten hat sich herausgestellt, dass Flussbarschlarven, die mit einer Mischung aus natürlicher Nahrung und Mikroplastik gefüttert wurden, im Vergleich zu den Larven, die in Aquarien ohne Mikroplastik aufwuchsen, kleiner waren und apathischer wurden. Sowohl Fische als auch Nahrungsfilterer wie Muscheln können unabsichtlich große Mengen an Plastikpartikeln mit ihrer Nahrung aufnehmen.

„In unserer Studie hat der Hecht große Mengen an Plastik aufgenommen, weil seine Nahrung (Flussbarschlarven) Mikroplastik aufgenommen hat. Auf diese Weise kann das Mikroplastik die Nahrungskette hinaufwandern und auch uns Menschen betreffen. Vor Kurzem habe ich in einem Artikel gelesen, dass man bei einem durchschnittlichen Verzehr von Schalentieren pro Jahr im Schnitt mehrere Tausend Mikroplastikpartikel zu sich nimmt. Deshalb meide ich jetzt Muscheln und Austern", sagt Lönnstedt.

Oona Lönnstedt

Oona Lönnstedt

Selbst Kleidung aus kunststoffbasiertem Fleece kann große Mengen an Mikroplastik freisetzen. Forscher am University College Dublin haben in einer Studie herausgefunden, dass beim Waschen von Fleece mehr als eintausend kleine Plastikpartikel mit dem Spülwasser in den Abfluss gelangen können. Diese winzigen, nur einige tausendstel Millimeter großen Teilchen gelangen unverändert durch die Kläranlage in Gewässer, wo sie Nahrung für Zooplankton werden, das die Partikel nicht von seiner natürlichen Nahrung, dem Phytoplankton, unterscheiden kann. Mikrokörnchen von Plastik werden oft auch als Schleifmittel in Kosmetika, Zahnpasta und Reinigungsmitteln verwendet und mit dem Spülwasser auswaschen.

Forscher sind sich in den vergangenen Jahren zunehmend der Bedeutung von Plastikpartikeln im Meer bewusst geworden, die sich allmählich zu einem globalen Problem entwickeln.

„Die Situation ist noch nicht alarmierend, aber ein wachsendes Problem ist heute die weite Verbreitung und Ansammlung von Plastikmüll in den Weltmeeren", so Lönnstedt.

„Wenn die Forschungsergebnisse eine höhere Sterblichkeit in der natürlichen Umgebung von Fischen zeigen, kann dies unmittelbare Folgen für die Nachhaltigkeit von Fischpopulationen haben. Diese Umstände unterstreichen die Notwendigkeit für neue Formen des Umgangs mit Mikroplastikmüll – vielleicht durch ein Verbot der Nutzung von Mikroplastik in Körperpflegeprodukten oder durch die Entwicklung alternativer Produkte, die weniger Plastikmüll freisetzen."

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