VATTENFALL VERKAUFT BRAUNKOHLESPARTE

Deutschland Die Tschechische Energiegesellschaft EPH und die Investmentgesellschaft PPF Investments kaufen das Braunkohlegeschäft von Vattenfall. „Das ist ein wichtiges Geschäft für Vattenfall”, sagt Vattenfalls Präsident und CEO Magnus Hall.

Der Vertrag wurde am 18. April 2016 in Berlin geschlossen und umfasst alle Braunkohlekraftwerke und Tagebaue des Unternehmens in Ostdeutschland. Vattenfalls deutsche Pumpspeicherkraftwerke, die optional angeboten wurden, sind nicht Teil des Geschäfts.

“Wir haben heute ein wichtiges Geschäft für Vattenfall unterzeichnet. Der Verkauf der Braunkohlesparte ist hinsichtlich unserer Strategie sowie den aktuellen und zu erwartenden Marktbedingungen richtig. Wir verstärken damit unsere Fokussierung auf eine nachhaltige Energieerzeugung. Unsere Erzeugung wird nach dem Verkauf zu mehr als 75 Prozent erneuerbar oder CO2 arm sein. Heute sind es etwa 50 Prozent“, sagt Magnus Hall, Vattenfalls Präsident und CEO.

Stand es jemals zur Diskussion, das Geschäft zu halten?
“Es gibt immer zwei Optionen. Zu den besten Bedingungen verkaufen oder das Geschäft behalten und bestmöglich weiter führen. Wir haben beide Optionen untersucht und sind zu dem Schluss gekommen, dass es ein klarer Vorteil für uns ist zu verkaufen. Natürlich bewertet jeder Akteur die zukünftige Entwicklung auf dem Energiemarkt unterschiedlich. Und ich bin überzeugt, dass Braunkohle auf absehbare Zeit eine Rolle in der deutschen Energieversorgung spielen wird. Da wir aber unser zukünftiges Geschäft eng mit der weiteren Reduzierung unseres CO2 Ausstoßes verknüpft haben, kommt dieser Verkauf genau zum richtigen Zeitpunkt.“

Was können Sie über den neuen Eigentümer sagen?
“Es ist ein seriöses Unternehmen, das aufgrund seines Know-Hows ein guter Eigentümer für die Zukunft sein wird. Zusätzlich zu Aktivitäten in Tschechien, in der Slowakei, in Großbritannien und mehreren anderen Ländern, besitzt EPH bereits Braunkohlentagebaue und -anlagen in Deutschland. Sie kennen den Markt und die deutsche Politik und wissen, was von ihnen als ein verantwortlicher Eigentümer erwartet wird. Ich bin überzeugt, dass wir den richtigen neuen Eigentümer gefunden haben." 

Der Verkauf hat zur Folge, dass Vattenfall seinen Kohlendioxydausstoß von mehr als 80 Millionen Tonnen auf weniger als 25 Millionen Tonnen pro Jahr reduziert. Aber wie steht es mit der globalen Verantwortung für den Umweltschutz?

”Ich bin absolut überzeugt davon, dass die deutsche Regierung selbst entscheiden will, welche politischen Vorgaben sie machen will, und dass diese klar in Richtung erneuerbare Energien und Energiewende gehen werden. Welche Bedeutung die Braunkohle dabei haben wird, ist Sache der deutschen Regierung. Wir für unseren Teil wollen uns jetzt auf die Bereiche konzentrieren, von denen wir glauben, dass sie die zukünftige Energielandschaft prägen. Unsere Strategie ist es, so viel wie möglich in erneuerbare Energien und natürlich auch in klimafreundliche Fernwärme zu investieren. Wir denken, dass diese Art der Wärmeerzeugung besonders nachhaltig ist.“

Vattenfall hat die Braunkohlesparte 2001 gekauft. Ist dieses Geschäft insgesamt ein Gewinn oder ein Verlust für Vattenfall gewesen?

“Es hat eine gesunde Entwicklung gegeben, aber wir haben auch viel Geld investiert. Wenn wir jetzt mit diesem Verkauf die Bücher schließen, sehen wir, dass die Investitionen unsere Rentabilitätsvorgaben erreicht haben. Natürlich ist das zu einem großen Teil dem Einsatz und der Kompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verdanken, die zu dieser gesunden Geschäftsentwicklung maßgeblich beigetragen haben. Sie haben einen hervorragenden Job gemacht und es ist gut zu wissen, dass es uns gelungen ist, einen guten neuen Eigentümer für den Betrieb der Tagebaue und Kraftwerke zu finden.“

Was passiert mit den 7.500 Beschäftigten bei Mining & Generation?
"Sie werden die Arbeit im Unternehmen natürlich fortsetzen. Im Rahmen des Verkaufs wurden auch Regelungen für die vom Verkauf betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vereinbart, die insbesondere auch die Weitergeltung der betrieblichen und tarifvertraglichen Vereinbarungen sicherstellen. Auch der Fortbestand der betrieblichen und unternehmerischen Mitbestimmung, wie Betriebsräte oder Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten, in ihrer bisherigen Organisation wird durch den Verkauf nicht beeinträchtigt. Die Tagebaue und Kraftwerke einschließlich aller bestehenden bergbaulichen- und Pensionsverpflichtungen zu übernehmen, ist ebenfalls Bestandteil des Verkaufs. Die Rückstellungen sind durch das Anlagevermögen sowie signifikante Barmittel gedeckt, die den verkauften Unternehmen - Mining´und Generation - von Vattenfall im Rahmen der Transaktion zugeführt werden. Zusätzlich hat sich der Käufer verpflichtet, in den nächsten Jahren keine Dividenden auszuschütten. Man muss auch sehen, dass EPH / PPF ein erfahrener Eigentümer von Braunkohletagebauen und Kraftwerken ist, der die aktuelle Situation und den Markt in Deutschland kennt. EPH / PPF hat gekauft, weil sie glauben, dass das Geschäft mit der Braunkohle eine Zukunft hat. Aber es ist auch eine große Herausforderung, diesen defizitären Betrieb zu drehen."

Wird es bei Vattenfall Entlassungen im Zusammenhang mit dem Verkauf geben?
"Nein. Einige geschäftsbereichsübergreifende Aktivitäten müssen aus der Konzernstruktur herausgetrennt werden und bleiben bei Mining & Generation. Abgesehen davon haben wir innerhalb von Vattenfall natürlich auch immer den Druck, unsere Kosten zu senken. Aber das ist ein anderes Thema."

Was ist mit den anderen Aktivitäten von Vattenfall in Deutschland? Wie ist der Plan?
"Deutschland ist einer der Eckpfeiler unserer Strategie und das wird auch so bleiben. Das ist für uns ein wichtiger Punkt. Wir haben ein großes Wärmegeschäft, wir betreiben das größte Verteilungsnetz in Deutschland, es gibt das Windgeschäft und das wachsende Endkundengeschäft mit über 3 Millionen Kunden in Deutschland. Auch sind wir im Stromhandel weiter präsent. Das heißt, selbst wenn 7.500 Mitarbeiter Vattenfall mit dem Verkauf verlassen, bleiben in Deutschland immer noch 7.000. Dies ist ein erheblicher Teil von Vattenfall, den wir weiter entwickeln wollen. Ein großer Teil unseres Investitionsbudgets wird nach Deutschland gehen. In Deutschland gibt es große Chancen für uns, und es wird für Vattenfall auch in der Zukunft ein sehr wichtiger Markt sein."

 

Bevor der Verkauf endgültig ist, bedarf es der Bestätigung durch den Eigentümer von Vattenfall, dem schwedischen Staat.

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