SUBVENTIONSFREIE WINDKRAFT VORAUSSICHTLICH BIS 2020 MÖGLICH

Windkraft Die Business Area Wind verzeichnete ein sehr erfolgreiches Jahr 2016, einschließlich eines Niedrigpreis-Rekords für Offshore-Wind. Geschäftsführer Gunnar Groebler gibt sich jedoch damit nicht zufrieden, wie er in einem Interview verlauten ließ. Dieses Interview bildet den Auftakt einer Serie von Gesprächen mit mit Mitgliedern des Executive Group Managements von Vattenfall.

Worauf sind Sie am meisten stolz?
„Ich bin stolz darauf, dass wir unsere Strategieziele in allen Bereichen erfüllt oder sogar übererfüllt haben. Das Wichtigste, was wir erreicht haben, ist die Reduzierung unserer sogenannten LEC, Levelized Energy Cost, auf deutsch Energiegestehungskosten."

Die LEC sind die alle Kosten über die gesamte Lebensdauer, also die Kosten für für Errichtung, Betrieb und Außerbetriebnahme eines Windparks. Bei den Ausschreibungen in den verschiedenen nordeuropäischen Ländern garantieren die Regierungen einen bestimmten Preis pro erzeugter Megawattstunde, üblicherweise über einen begrenzten Zeitraum von ein paar Jahren oder bis zu einer festgelegten Menge.

„Die Reduzierung unserer LEC hat unsere Erwartungen übertroffen. Ein hartes Stück Arbeit liegt hinter uns! Vor einem Jahr noch hätte das keiner von uns für möglich gehalten. Alle Mitarbeiter in unserer Organisation habenihren Beitrag dafür geleistet. Sehen Sie sich zum Beispiel mal unsere BU Generation an, wie erfolgreich sie Prozesse und Arbeitsweisen harmonisiert und digitalisiert hat. Ich bin auch stolz darauf, dass wir so gut aufgestellt haben, insbesondere da Offshore wichtig für die Zukunft ist."

Sie haben im Jahr 2016 den Zuschlag für zwei dänische Projekte erhalten, doch kurz vor Weihnachten wechselte das niederländische Projekt Borssele 3-4 zu einem Konkurrenten.
„Dies war natürlich in der Tat enttäuschend, insbesondere für diejenigen, die hart an der Ausschreibung gearbeitet haben. Andererseits ist uns auch klar, dass wir nicht jede Ausschreibung gewinnen können bzw. sollten. Der Wettbewerb treibt uns an: Die Tatsache, dass wir die Borssele-Ausschreibung im letzten Juli nicht gewonnen haben, hat bei uns in der BA Wind neuen Ehrgeiz angestachelt - beim nächsten Projekt wollen wir die Kosten weiter reduzieren."

„Wir nicht jede Ausschreibung gewinnen können bzw. sollten"

2016 war auch das Jahr, in dem die Kosten für Offshore-Wind um die Hälfte gesenkt wurden. Dass Vattenfall Anfang 2015 die Konzession für das dänische Projekt Horns Rev 3 mit 100 Euro pro Megawattstunde erhielt, war sensationell. Eineinhalb Jahre später hat Vattenfall mit Kriegers Flak ein weiteres dänisches Offshore-Projekt gewonnen; zu einem Preis von unfassbaren 50 Euro pro Megawattstunde. Dies war der bisher niedrigste Preis für Offshore-Windenergie. Ähnlich war es mit Borssele 1-2, dessen Wert bei der Ausschreibung im Juli 2016 auf 73 Euro/Megawattstunde festgesetzt wurde, während Borssele 3-4 bei 55 Euro landete.

Wie ist es möglich, die Kosten so stark zu reduzieren?
„Die Entscheidung für größere Turbinen war sehr wichtig. Wir installieren auch heute noch 4-MW-Turbinen. Jedoch waren Kriegers Flak und die dänischen Near-Shore-Projekte bereits auf 8-MW-Turbinen ausgelegt. Außerdem animiert der Ausschreibungsprozess zwangsläufig jeden zum Nachdenken, wie er einen Windpark noch effizienter betreiben kann. Unsere Größe als Unternehmen ist ein weiterer Faktor. Wir haben eine Vielzzahl an Projekten in der Pipeline. Das heißt, wir sind in der Lage, sie zu optimieren. Und vergessen Sie nicht, dass Vattenfall einer der führenden Windkraftentwickler und -betreiber in unserem Teil der Welt ist. Auch diesen Vorteil konnten wir in unsere Gebote einfließen lassen."

Wie verhält es sich mit dem Gewinn, seit der Preis um die Hälfte gesenkt wurde? Sind diese Projekte noch gewinnbringend?
„Harter Wettbewerb und eine ausgereifte Marktposition wirken sich definitiv auf den Gewinn aus. Dennoch haben wir weiterhin solide Gewinnspannen auf Branchenniveau. Da die Gewinne durch Erlöse und Kosten definiert sind, legen wir einen besonderen Schwerpunkt auf unser Kostenniveau und dies werden wir auch so beibehalten. Außerdem haben wir viel aus unseren früheren Projekten gelernt. Darum ist unser Blick auf die Risiken inzwischen ein ganz anderer als noch vor drei, vier Jahren oder sogar noch vor einem Jahr. Dies wiederum wirkt sich auf den Risikoaufschlag aus, den wir für derartige Projekte einplanen. Letztendlich haben wir aber den gleichen Gewinn wie der Rest der Branche – und dieser liegt auch in dem Bereich, den das Board of Directors bzw. der Eigentümer von uns erwartet."

Wie weit können die Energiegestehungskosten (LEC) gesenkt werden?
„Kontinuierliche Kostensenkung ist unser dauerhafter Wegbegleiter. In diesem Jahr werden wir weiter daran arbeiten. Und wir werden an dem Punkt nicht aufhören und darauf hoffen, dass wir mit einer Kostengrenze von 50 Euro auf der sicheren Seite sind, denn dies wäre riskant. Stattdessen verstärken wir unsere Anstrengungen bei der Kostenreduzierung, um unabhängiger von Subventionen zu sein."

Wann kommt die Windkraft ohne Subventionen aus?
„Nun, im Vereinigten Königreich gibt es für Onshore schon jetzt keine staatliche Förderung mehr. Damit müssen wir klarkommen; ein hartes Stück Arbeit. Aber es macht auch kreativ. Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen, zukunftsfähige Projekte ohne Subventionen zu entwickeln. Für Onshore kann dies ggf. schon bis Ende dieses Jahrzehnts eintreten, bei Offshore wird es noch etwas länger dauern. Allerdings könnte dies schneller erfolgen, wenn die Strompreise eine positivere Entwicklung haben, als die, von der wir aktuell ausgehen."

Deutschland wird als nächstes ein ausschreibungsbasiertes System für Windenergie einrichten. Im Gegensatz zu Dänemark oder den Niederlanden, wo die Regierung den Bietern ein bestimmtes Projekt wie zum Beispiel Kriegers Flak anbietet, verlangen die deutschen Gesetze, dass Bieter ihre eigenen Projekte für Ausschreibungen stellen. Daher hat Vattenfall drei Nordsee-Projekte erworben. Atlantis I mit 73 Turbinen ist das aktuellste davon.

Wie wirken sich Auktionen in Deutschland vorteilhaft für Vattenfall aus?
„Offshore-Windkraft bedeutet sehr komplexe und kapitalintensive Projekte, die sehr gut zu unserer DNA passen. Außerdem sind wir auf Kostensenkung und Projektoptimierung eingestellt. Deshalb sind Ausschreibungen und Wettbewerb ideal für uns und ermöglichen uns eine Position, in der wir nach unserer Überzeugung äußerst erfolgreich sein können. Wir bereiten uns intensiv auf die bevorstehenden Ausschreibungen in Deutschland vor. Die erste findet im Frühjahr 2017 statt. Wir setzen alles daran, dabei erfolgreich zu sein. Falls nicht, haben wir 2018 eine zweite Chance."

Vattenfall will die installierte Leistung im Bereich Windkraft auf etwa vier Gigawatt im Jahr 2020 verdoppeln. Sind Sie auf dem richtigen Weg?
„Unbedingt. Im letzten Jahr haben wir zwei Investitionsentscheidungen getroffen, Horns Rev 3 und Aberdeen Bay, dies sind etwa 500 MW. Wir haben einen Ausbau von 400 bis 600 MW pro Jahr angekündigt, man kann also sagen, wir sind auf einem guten Weg. Auch die in Bau befindlichen Projekte kommen gut voran. Wir werden der BU Generation dieses Jahr Sandbank, Pen y Cymoedd sowie das kleinere Ray übergeben. Insgesamt sind das über 550 MW. Es gibt also viele Projekte, die dieses Jahr fertiggestellt werden. Das ist ziemlich spannend für unsere Kollegen bei Generation. Darüber hinaus werden wir in diesem Jahr einige Investitionsentscheidungen treffen, vorwiegend Onshore. Damit wird die Pipeline gefüllt."

„Darüber hinaus werden wir in diesem Jahr einige Investitionsentscheidungen treffen"

Sie verzeichnen ein starkes Wachstum, und Sie wollen 130 neue Mitarbeiter einstellen. Wie kommen Sie mit dieser Entwicklung zurecht?
„Wir wollen neue Mitarbeiter an Bord holen. Deshalb haben wir ein kontinuierliches Kennenlernprogramm entwickelt. Daran nehmen auch die neuen Mitarbeiter teil. Sie lernen die Arbeitsweise bei Vattenfall und der BA Wind sowie ihre neuen Kollegen und Mitglieder des Management Teams kennen. So leben sie sich besser ein und sind schneller einsatzbereit. Das Programm wird gut angenommen."

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