OFFSHORE-WINDPARKS: SAUGEIMER SENKEN KOSTEN UND VERRINGERN DEN UNTERWASSERLÄRM

Vereinigtes Königreich Vattenfall baut seinen nächsten Windpark auf riesigen umgedrehten Eimern, anstatt das Fundament in den Meeresboden zu rammen.

Normalerweise werden bei Fundamenten von Offshore-Windenergieanlagen Pfähle in den Meeresboden getrieben. Diese Methode kann jedoch erheblichen Lärm und Unruhe erzeugen. Das beeinträchtigt Meeressäuger, Fische sowie nahegelegene Küstengemeinden.

Aus diesem Grund setzt Vattenfall jetzt die praktisch geräuschlose Saugeimertechnik ein. Anstatt des Einsatzes von Monopiles werden die Windturbinen mit diesen riesigen umgedrehten Eimern und zusammen mit einem Jacket-Unterbau im Meeresboden verankert.

Wasserpumpen als Ersatz von Rammen
Die Saugeimertechnologie ist zwar bereits in der Öl- und Gasindustrie bekannt, wird aber hier zum ersten Mal im kommerziellen Rahmen in der Offshore-Windenergiebranche verwendet. 

Beim Bau der Anlage wird Wasser aus den Eimern gepumpt. Das erzeugt einen Druckunterschied, der die Eimer in den Meeresboden zieht. Im Prinzip werden Pfahlrammen durch Wasserpumpen ersetzt.

Wenn das Wasser aus den Saugeimern gepumpt wird, sinken sie in das Sediment des Meeresbodens ein. Am Ende der Nutzungszeit wird Wasser zurück in die Eimer gepumpt, um das gesamte Bauwerk wieder aus dem Meer zu holen.

Bauarbeiten in der Bucht von Aberdeen
Ende dieses Jahres werden in der Bucht von Aberdeen die Offshore-Bauarbeiten an dem innovativen European Offshore Wind Deployment Centre (EOWDC) von Vattenfall beginnen. .

„Der Meeresboden in der Bucht von Aberdeen ist für dieses Fundamentkonzept ideal geeignet und da Schottland für seine Wale und Delphine bekannt ist, werden wir so dieBeeinträchtigung dieser Tiere durch Geräusche minimieren. Des Weiteren ist die Lärmdämmung beim Pfahlrammen ein teures Unterfangen- eine Investition, die bei dieser Technologie nicht erforderlich ist. Wir verringern auch die Beeinträchtigung der Bewohner der nahegelegenen Dörfer an der Küste. Nicht zuletzt verläuft  der Abbau am Ende der Betriebszeit des Windparks genau umgekehrt wie der Aufbau. Man pumpt einfach das Wasser wieder in die Eimer zurück und hebt so das ganze Bauwerk aus dem Meeresboden“, sagt Adam Ezzamel, Projektleiter beim European Offshore Wind Deployment Centre.

Die Fundamente mit ihren riesigen Eimern im Durchmesser von 10,5 Metern werden derzeit im britischen Newcastle zusammengebaut. 

Das European Offshore Wind Deployment Centre von Vattenfall in der Bucht von Aberdeen ist die erste kommerzielle Verwendung der Saugeimertechnologie in einem Windpark

Erweitert die Möglichkeiten der Offshore-Windkraft
Um den Erfolg der Saugeimerinstallation zu garantieren, wurden umfangreiche Untersuchungen der Bedingungen am Meeresboden vorgenommen, Offshore-Prototypen errichtet und maßstabgerechte Versuchsläufe durchgeführt. Das ist deshalb besonders wichtig, weil das Fundament die mit 8,4 Megawatt leistungsstärkste Windturbine der Welt tragen soll.

„Wir sind davon überzeugt, dass Saugeimer in einer Branche, die immer mehr zu tieferen Gewässern und größeren Turbinen tendiert, die bessere Option darstellen. Die Technologie kann dort besonders gut eingesetzt werden, wo die Bodenbedingungen für Monopiles nicht geeignet sind und könnte für die Offshore-Windbranche neue Bereiche erschließen“, sagt Ezzamel.

Hochspannung spart Kupfer
Neben den Saugeimerfundamenten und den Riesenturbinen hat das Aberdeen-Projekt noch eine dritte Neuheit zu bieten: eine Innerpark- und Exportverkabelung mit einer Hochspannung von 66 Kilovolt anstatt der traditionellen 33 Kilovolt-Verbindung wie bei anderen Windparks. Das senkt den Spannungsverlust sowie die Installationskosten und führt auch zu erheblichen Kupfereinsparungen.

„Ich bin der festen Überzeugung, dass in Zukunft alle Windparks eine 66-kV-Infrastruktur verwenden werden, weil die Vorteile so erheblich sind. Und je größer der Windpark, desto mehr spart man“, sagt Ezzamel.

Das European Offshore Wind Deployment Centre (EOWDC) wird nach seiner Fertigstellung im September 2018 eine Gesamtleistung von 92,4 MW haben. Das EOWDC ist eine Test- und Demonstrationsanlage, um neue Technologien für die Offshore-Windenergie zu entwickeln. Es umfasst auch ein wissenschaftliches Forschungsprogramm über 3 Millionen EUR zum Studium der ökologischen und sozioökonomischen Auswirkungen der Offshore-Windenergie.

Video zur Saugeimertechnologie

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