„NACHHALTIGKEITSFRAGEN SIND HEUTE BIG BUSINESS, NICHT MEHR NUR GOODWILL“

United States Wir begrüßen Annika Ramsköld, Vattenfalls Head of Sustainability. Sie war in New York, der Heimatstadt von Donald Trump, um auf dem World Economic Forum mit einigen der mächtigsten Entscheidungsträger der Welt aus Politik und Wirtschaft über Nachhaltigkeitsfragen zu diskutieren.

Inwiefern war auf der Konferenz zu merken, dass die USA von Donald Trump geführt werden, der sich weigert, den Klimawandel als Problem anzuerkennen, und der der Meinung ist, dass es sich dabei um ein Thema von geringer Relevanz handelt?

„Der Kampfgeist ist stärker und die amerikanischen Teilnehmer haben – trotz der von Trump geführten Politik – auffallend oft gesagt, dass „wir die Schlacht gewinnen werden“. In dieser Weise äußerten sich unter anderem die Gouverneure aus Kalifornien, Washington und einer Reihe von anderen Bundesstaaten, sowie zahlreiche amerikanische Bürgermeister. Diese stehen voll und ganz hinter dem geltenden Klimaabkommen und sind fest entschlossen, dieses auch umzusetzen, unabhängig von Trumps Plänen und denen der Verwaltung in Washington.“

„Es war ein positives Erlebnis, zu hören, dass die Teilnehmer aus der ganzen Welt den Standpunkt vertreten, dass ‚wir mit vereinten Kräften daran arbeiten werden, um die Klimaprobleme zu lösen’. Um der Entwicklung Schwung zu verleihen und sie in die richtige Richtung zu voranzutreiben, sind zusätzliche Kooperationen zwischen den Unternehmen und noch mehr Unterstützung vonseiten der Behörden und Regierungen vonnöten. Darüber herrschte großes Einvernehmen.“

Annika Ramsköld nahm an zwei Seminaren teil, „Accelerating clean energy“ und „Accelerating sustainable production“, in denen sie sowohl als Moderatorin als auch als Hauptrednerin auftrat.

Was ist der große Unterschied im Vergleich zu früher?

„Vor einigen Jahren ging es bei den Nachhaltigkeitsfragen oftmals um Goodwill, es war also etwas, dem man sich wohlwollend, der guten Sache wegen, angenommen hat. Heute jedoch sind alle – von gewissen Ausnahmen abgesehen – der Meinung, dass Klima- und Nachhaltigkeitsfragen einen echten Geschäftsnutzen darstellen und „Big Business“ sind. Das Interesse an den verschiedenen Unternehmenskooperationen von Vattenfall bezüglich der Eliminierung der Kohlendioxidemissionen aus Industrieprozessen mithilfe von Strom (z. B. Zement- und Stahlindustrie) und an diversen Investitionen und Initiativen von Vattenfall zur Elektrifizierung des Verkehrssektors war groß.“

„Auffallend viele Teilnehmer betonten die laufende Umstellung auf Elektroautos als konkreten Beitrag ihres Landes oder Unternehmens für den Klimaschutz.“

Was waren die heißesten Themen auf dem World Economic Forum?

„Es wurde immer wieder von der ‚vierten industriellen Revolution’ gesprochen und darüber, wie der IT-Einsatz das Machtgefüge in der Welt verändern wird. Die industrialisierten westlichen Länder sind bei diesem Übergang erstaunlich träge, und eine Teilnehmerin, Marianne Eve Jamme aus Afrika, merkte sogar an, dass die Länder der westlichen Welt IT-Analphabeten seien.“

„Während die Entwicklungsländer die neue Technologie förmlich aufsaugen, verlangsamt sich die Entwicklung des Westens, weil wir auf bereits bestehende Systeme Rücksicht nehmen müssen.“

„Mit neuen Technologien und Solarenergie wird es beispielsweise gelingen, viele afrikanische Länder auf eine ganz andere Weise zu elektrifizieren, als dies bisher möglich war, wodurch sich diesen ganz andere Möglichkeiten für Wohlstand und Unternehmertum eröffnen.“

Auf solchen Treffen erfolgt ja ein Austausch von Ideen, aber führen denn die Gespräche auch zu konkreten Geschäften?

„Die Treffen zielen darauf ab, gemeinsame Projekte zu finden, die man zusammen entwickeln kann, um auf diese Weise weiter darauf hinzuarbeiten, die Klimaziele der Vereinten Nationen zu erreichen – und zwar im Rahmen von möglichst umfassenden, grenzüberschreitenden Konstellationen der Zusammenarbeit.“

„Es werden dabei zahlreiche unterschiedliche Initiativen in die Wege geleitet, und ich habe im Hinblick auf die Klimamaßnahmen ziemlich viele Kontakte geknüpft, die zu großen Veränderungen, beispielsweise im Agrarsektor in den Niederlanden, und spannenden Plattformlösungen im Bereich des Abfallrecyclings führen könnten.“

Am 8. Oktober fahren Sie nach Kiew, in die Hauptstadt der Ukraine. Was haben Sie dort vor?

„Ich werde über die Vorhaben von Vattenfall im Bereich klimafreundlicher Lösungen berichten, ungefähr in der Art und Weise, wie ich es auch in New York getan habe. Für diese Art von nachhaltigkeitsbasierenden Geschäftsmaßnahmen ist das Interesse überall auf der Welt groß.“

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