INDUSTRIEN REDUZIEREN EMISSIONEN

SCHWEDEN Die Produktion von CO2-freiem Stahl, grünem Beton und Biodiesel kann durch den verstärkten Einsatz von Strom bei der Herstellung angekurbelt werden. Bei der Verwirklichung dieses Vorhabens unterstützt Vattenfall die schwedische Industrie.

Begonnen hat alles mit einem Verfahren zur Herstellung von grünem Stahl. Im April 2016  stellten Vattenfall, der Stahlproduzent SSAB und der Bergbaukonzern LKAB ein Projekt vor, mit dem Kohle und fossiles Gas in den verschiedenen Stufen der Stahlerzeugung durch Wasserstoff ersetzt werden soll. SSAB ist zwar eines der kohlenstoffärmsten Unternehmen der Branche, nach wie vor jedoch Schwedens größter Einzel-emittent von CO2.

Durch die Verwendung von Wasserstoff, der mittels Strom aus Wasser erzeugt werden kann, entsteht beim Herstellungsprozess Wasserdampf statt Kohlendioxid. Auf diese Weise könnte SSAB der weltweit erste Hersteller von CO2-freiem Stahl werden. Stahl ist aber nur der Anfang, da auch andere Sektoren wie die Zementindustrie und Raffinerien ihre Klimabilanz durch elektrifizierte Prozesse verbessern können.

Mikael Nordlander verantwortet in der Abteilung R & D von Vattenfall das Portfolio „Future of the Energy System“. Er erläutert:
„Wir haben damit begonnen uns die Datenbank der Umweltschutzbehörde zu den industriellen Kohlendioxidemissionen in Schweden anzusehen und überlegt, wie wir den Sektoren mit den meisten Schadstoffen helfen könnten, fossile Brennstoffe und Rohstoffe durch Strom zu ersetzen. Dabei hat sich herausgestellt, dass wir eine Menge guter Ideen hatten.“

Stahl und Zement sind die Branchen mit den weltweit höchsten CO2-Emissionen. Vattenfall will Raffinerien dabei unterstützen, ihre Biodieselproduktion zu steigern. „Diese Unternehmen wissen alles über ihre technischen Verfahren, und wir sind Experten für das Energiesystem, da wir in der gesamten Wertschöpfungskette von der Stromerzeugung über die Verteilung bis hin zum Strommarkt tätig sind. Außerdem haben wir viele Spezialisten, die sich mit diesen Industrieprozessen vertraut machen können. Das ist der Unterschied zwischen uns und den Händlern von Elektrizität“, erklärt Nordlander.

Es gibt mehrere Beweggründe für die Industrie, auf klimaneutralen Strom umzustellen. Einer davon ist die steigende Kundennachfrage nach klimaneutralen Produkten, ein anderer das Bewusstsein für künftig steigende Kosten für CO2-Emissionen. Derzeit erhält die Industrie die meisten ihrer Emissionsrechte kostenlos. Der Schlüssel zu einem potenziell großen Nutzen für die Umwelt liegt in Schwedens fast vollständig fossilfreier Stromerzeugung und den niedrigen Strompreisen.
„Ein stärkerer Einsatz von Strom in der Produktion wäre jedoch nicht in allen Ländern vorteilhaft. In China hätte die Umwelt praktisch nichts davon, weil der Strom dort überwiegend in Kohlekraftwerken erzeugt wird, und auch in Kontinentaleuropa wäre der Strom nicht genauso wettbewerbsfähig, da er dort teurer ist.“

In Schweden könnten die CO2-Emissionen allerdings um 15 Millionen Tonnen pro Jahr gesenkt werden. Grundsätzlich könnte das Klimaziel für 2030 allein durch Umstellung des Stahl-, Zement- und Biodieselsektors erreicht werden. Gleichzeitig würde der derzeitige Stromüberschuss reduziert. Auch könnte die Wasserstoffproduktion dazu genutzt werden, ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage im Stromsystem herzustellen.

Derzeit ist nicht bekannt, wie viel die Produktion von Stahl, Zement und Biodiesel mithilfe von Strom kosten würde. Dieser Faktor muss noch untersucht werden.

„Es bleibt abzuwarten, ob Öko-stahl und -zement wirtschaftlich tragfähig werden. Wenn wir Biomilch verkaufen können, warum nicht auch Ökostahl und Ökozement? Am Ende zählt, was die Gesellschaft fordert,“ sagt Nordlander.

Mikael Nordlander, R&D portfolio manager

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