„GOLDHELME“ FÜR LEBENSRETTENDE TATEN

schweden Zwei schwere Unfälle hätten tragisch enden können, wenn Rickard Strands und Mats Westbergs nicht geistesgegenwärtig gehandelt hätten.

Es ist der Geistesgegenwart und dem entschlossenen Handeln der Preisträger zu verdanken, dass heute eine Kollegin und ein Kollege noch am Leben sind, die andernfalls mit großer Wahrscheinlichkeit ums Leben gekommen wären. Für ihre Taten erhielten Rickard Strand und Mats Westberg die Auszeichnung „Goldhelm“.  Ein Preis, der bei Vattenfall seit 1958 vergeben wird.

„Ich fühle mich natürlich geehrt, aber es kommt mir auch ein wenig seltsam vor:  Ich meine, warum bekomme ich einen Preis für etwas, das so selbstverständlich ist?“, sagt Rickard Strand, Projektmanager bei Vattenfall Vattenkraft im schwedischen Luleå. Er rettete das Leben einer Kollegin, die eingeklemmt und bewusstlos in ihrem zerstörten Auto lag, nachdem sie mit einem Bus zusammengestoßen war.

Man versteht besser, wie Rickard Strand zu dieser Auffassung kommt, nachdem er berichtet hat, dass er seit mehr als dreißig Jahren bei der Bergrettung sei und im Lauf der Jahre viele dramatische Unfälle mit glücklichem als auch weniger glücklichem Ausgang erlebt hat.

Beinahe erstickt
In diesem Fall war es unbestreitbar Glück im Unglück, dass an jenem Novembermorgen eine erfahrene Person als Erster vor Ort war. Rickard Strand erkannte, dass sich noch jemand in dem zerstörten Fahrzeug befand. Es gelang ihm, den Rand der zerbrochenen Frontscheibe zu fassen zu kriegen. Er riss die Scheibe heraus und kroch zwischen die aufgeblasenen Airbags ins Innere des Autos. Dort befand sich eine bewusstlose Frau, die eingeklemmt war.

„Ich sorgte dafür, dass sie atmen konnte, und brachte ihren Körper in eine bessere Position. Aber es dauerte eine Weile, bis ich erkannte, dass die Verletzte eine Kollegin aus dem Büro in Luleå war“, sagt Rickard Strand.

Gleichzeitig hatten Leute in dem entgegenkommenden Bus, der auch an dem Unfall beteiligt war, den Notruf gewählt, und eine Viertelstunde später trafen der Rettungsdienst und ein Rettungshubschrauber ein. Die Verletzte wurde herausgeschnitten und zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus geflogen. Heute geht es ihr besser, aber sie ist noch nicht wieder ganz hergestellt.

Verschwunden im Eis
Der andere Empfänger des „Goldhelms“, Mats Westberg, Techniker bei Vattenfall Nordic Services in Örnsköldsvik, hatte anders als Rickard Strand vorher keine Erfahrungen mit schweren Unfällen.  Während seiner 39 Jahre bei Vattenfall hatte er niemals etwas erlebt, was mit dem Ereignis vergleichbar gewesen wäre - als ein Kollege mit seinem Schneemobil im Eis verschwand.

„Erstaunlicherweise hatte ich überhaupt keine Angst, sondern handelte überlegt, nachdem mir klar geworden war, dass Gefahr im Verzug war.“

Mats Westberg befand sich in den Wäldern bei Blattnicksele in Lappland und entfernte zusammen mit dem Kollegen den Schnee von Stromleitungen, als der Unfall passierte.

„Ich fuhr mit meinem Schneemobil über ein vier Meter breites, vereistes Gewässer, hielt an und begann zu arbeiten. Es war draußen dunkel geworden, und nach einigen Minuten wurde ich auf einen unruhigen, flackernden Lichtschein etwa einhundert Meter hinter mir aufmerksam – ungefähr dort, wo eigentlich mein Kollege arbeiten sollte. Da ahnte ich, dass nicht alles so war, wie es sein sollte, und drehte mein Schneemobil wieder um.

Der Kollege war mit seinem Schneemobil im Eis eingebrochen und versuchte verzweifelt, sich in dem eiskalten Wasser aus dem Eisloch zu ziehen, doch das schwere Werkzeug in seinem Gürtel zog ihn in die Tiefe.  Der flackernde Lichtschein, auf den Mats Westberg aufmerksam geworden war, stammte von der Stirnlampe des Kollegen.

Verzweifelt
„Er war verzweifelt, aber ich bekam ihn zu fassen und konnte ihn herausziehen. Es waren minus 15 Grad Außentemperatur, und als er wieder aus dem Wasser war, achtete ich darauf, dass er auf der Spur des Schneemobils vor und zurück lief, um warm zu bleiben, während ich einen Kollegen holte, der einige Kilometer entfernt im Auto war.“

Im Auto war trockene Kleidung zum Wechseln, und alles ging ohne weitere Komplikationen aus.  Der Kollege arbeitete bereits am nächsten Tag wieder, und das Schneemobil konnte geborgen werden.

„Wenn nicht der Lichtschein der Stirnlampe gewesen wäre, hätte ich nicht so schnell umgedreht, und dann hätte das Ganze schlimm enden können“, sagt Mats Westberg.

Rickard Strand
Mats Westberg

Elf Kandidaten
Der „Goldhelm“ wurde Rickard Strand und Mats Westberg in Arenastaden überreicht, wo die Verleihung den Höhepunkt eines Tages bildete, der den Arbeitsschutz zum Thema hatte und an dem Führungskräfte, Arbeitsschutzbeauftragte, Gewerkschaftsvertreter, Mitarbeiter der Personalabteilungen und verschiedene Arbeitsschutzexperten beteiligt waren.

Dag Svensson, Vorsitzender des Arbeitsschutzausschusses von Vattenfall, überreichte die goldenen Nadeln:

- „Den Preis können Mitarbeiter des Vattenfall Konzerns erhalten, die geistesgegenwärtig gehandelt und mutige Taten im Zusammenhang mit Unfällen mit Personenschaden vollbracht haben, und er wird auch heute noch nach denselben Grundsätzen vergeben wie zur Zeit seiner Stiftung vor 60 Jahren“, sagt er.

Bisher haben insgesamt 144 Personen die Auszeichnung erhalten. Dieses Jahr gab es elf Kandidaten.

„Alle Kandidaten standen für bedeutende, mutige Taten, die alle Achtung verdienen, aber die Jury hat letztendlich zwei von ihnen ausgewählt“, sagt Dag Svensson.

Ähnliche Themen