ELEKTROAUTOS SIND EINE BESSERE WAHL FÜR DIE UMWELT – TROTZ DER UMWELTBELASTUNG

Schweden Die Umweltvorteile von Elektroautos wiegen die bei der Batterieproduktion anfallenden CO2-Emissionen mehr als auf.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie der schwedischen Umweltforschungs- und Beratungsfirma IVL Svenska Miljöinstitutet hat die Umweltauswirkungen von Elektroautos untersucht, die unter anderem auf die bei der Batterieherstellung anfallenden CO2-Emissionen zurückzuführen seien. Die Medien haben die IVL-Studie aufgegriffen und einige haben Elektroautos sogar als „Umweltschurken“ bezeichnet.

Die Literaturrecherche von IVL konzentriert sich auf eine Tatsache, die bislang in der Debatte um die Umwelteigenschaften von Elektroautos kaum zur Sprache kam, nämlich die beträchtlichen Emissionen von CO2, die derzeit bei der Produktion von Lithiumbatterien für Elektroautos anfallen. Das bedeutet, dass Elektroautos effektiv ein „Klimadefizit“ im Vergleich zu Diesel- oder Benzinmotoren haben: Laut dem Bericht verursacht jede Kilowattstunde der Batterie Emissionen von 150 – 200 kg CO2-Äquivalenten.

„Es stimmt, dass neue Elektroautos mit den aktuellen Lithiumbatterien von Anfang an ein gewisses „Klimadefizit“ haben. Doch wenn man den Lebenszyklus des Autos als Ganzes betrachtet, stoßen Elektroautos weit weniger CO2 als Diesel- und Benzinmotoren aus, vor allem in Schweden, wo die Elektrizitätsmischung deutlich sauberer ist als auf dem europäischen Festland“, sagt Vattenfalls Head of Environment Helle Herk-Hansen.

Gemäß einer von der Beratungsfirma Ramböll im Auftrag von Vattenfall durchgeführten Studie unterscheiden sich die typischen Lebenszyklus-Emissionen von CO2-Äquivalenten von Fahrzeugtyp zu Fahrzeugtyp erheblich (einschließlich der Gewinnung von Rohstoffen, Herstellung, Gebrauch, Wartung und Recycling). Im Durchschnitt produziert ein Benzinauto CO2-Emissionen von 250 g/km, ein Dieselauto 200 g/km und ein Elektroauto auf dem europäischen Festland im Durchschnitt 190 g/km, während ein Elektrofahrzeug in Schweden nur 70 g/km produziert. Die Berechnung basiert auf einer Batteriegröße von 24 kWh*, was einem Nissan Leaf oder Renault Zoe entspricht, der ein paar Jahre alt ist.

Emissionen aus der Batterieproduktion
Die Batterien in Elektroautos haben einen großen Einfluss auf die gesamte CO2-Bilanz der Automobilproduktion. Die meisten Elektroautos von heute verfügen über Lithium-Ionen-Batterien, die bislang vorwiegend in Asien gefertigt wurden, wo ein Großteil des Stroms noch mit Kohlekraftwerken erzeugt wird, obwohl der Anteil erneuerbarer Energien zunimmt.

Eine Reihe von Automobilherstellern, darunter Tesla und Mercedes, haben mit dem Bau ihrer eigenen Batteriewerke begonnen, unter anderem zur Verbesserung der Umweltleistung von Elektroautos. Das Batteriewerk Gigafactory der US-Firma Tesla im Bundesstaat Nevada wird zum Beispiel komplett mit Strom aus Sonnenkollektoren versorgt werden. Damit wird die CO2-Bilanz von Tesla-Autos, die die größten Batterien auf dem Markt haben, in Zukunft deutlich verbessert.

Das neu gestartete schwedische Unternehmen Northvolt, an dem Vattenfall eine Minderheitsbeteiligung hat, plant den Bau eines brandneuen Batteriewerks in Schweden oder Finnland. Sobald die Batterien mit sauberem Strom aus Wasserkraft hergestellt werden, wird die CO2-Bilanz des Elektroautos besser sein als die der Elektroautos von heute oder gestern.

Wiederverwendung von Batterien
Es gibt auch andere Möglichkeiten, die CO2-Bilanz von Elektroautos zu verbessern. Lithium-Ionen-Batterien büßen im Laufe der Zeit zwar einen Teil ihrer Speicherkapazität ein, sie lassen sich jedoch immer noch einige Jahre lang für die Speicherung von Energie im Stromnetz verwenden. Hierbei werden viele Batterien zu großen Batteriepaketen gebündelt, die das Netz stabilisieren und Strom bereitstellen können, wenn die Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie gering ist.

„Wir haben eine Partnerschaft mit dem Automobilhersteller BMW in Hamburg, Second Life genannt, bei der wir Batterien von BMW-Elektroautos zur Speicherung von Strom aus erneuerbaren Energien nutzen. Wir planen auch den Kauf von bis zu 1.000 Lithium-Ionen-Batterien, um die Stromnetze in Verbindung mit Windparks zu stabilisieren und Schwankungen auszugleichen. Der niederländische Windpark Princess Alexia ist einer der Windparks, der mit Batterien ausgestattet wurde, um die Qualität des Stromnetzes zu verbessern“, berichtet Herk-Hansen.

Der CO2-Ausstoß und die Umweltauswirkungen von Batterien werden außerdem durch deren Recycling soweit wie möglich reduziert. Derzeit werden nur die wertvollsten Metalle, Nickel, Kobalt und Kupfer recycelt, jedoch nicht Aluminium und Lithium.

„Angesichts der wachsenden Anzahl an Batterien ist es von entscheidender Bedeutung, dass das Recycling von Metallen finanziell tragfähig ist. Das ist etwas, was die Batterieindustrie garantieren muss, um die Umweltbelastung durch Elektroautos und andere batteriebetriebene Produkte zu reduzieren“, so Herk-Hansen.

Vattenfall investiert in Elektroautos
Laut Helle Herk-Hansen ist die laufende Elektrifizierung des Verkehrssektors entscheidend. Sie begrüßt auch die Tatsache, dass Vattenfall diesen Übergangsprozess antreibt.

„Es ist großartig, dass Vattenfall plant, seinen gesamten Fahrzeugfuhrpark durch Elektrofahrzeuge zu ersetzen. Trotz des Umweltdefizits, das durch den Produktionsprozess verursacht wird, sind Elektroautos eine bessere Wahl für die Umwelt als fossil angetriebene Autos. Und sie haben auch das Potenzial, noch weitaus umweltfreundlicher zu sein, während Autos mit Verbrennungsmotoren weniger Potenzial haben“, erklärt Herk-Hansen.

In Europa macht der Straßenverkehr rund 20 Prozent der CO2-Emissionen aus, während die Zahl in Schweden bei rund 30 Prozent liegt. Privatautos sind für rund zwei Drittel dieser Emissionen verantwortlich. Viele Menschen glauben, dass die Elektrifizierung des Straßenverkehrs ein großes Potenzial besitzt, die CO2-Emissionen aus diesem Sektor zu reduzieren, der immer noch stark von fossilen Kraftstoffen abhängig ist.

* Der Renault Zoe verfügt jetzt über eine neue Generation von effizienteren Batterien, deren Kapazität um 80 Prozent von 24 auf 41 kWh erhöht wurde, während ihr Gewicht um lediglich fünf Prozent zugenommen hat.

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