DER KERNENERGIE STEHT EIN EREIGNISREICHES JAHR BEVOR

Energieerzeugung Laut Torbjörn Wahlborg, Head of BA Generation, steht sowohl die Wasserkraft als auch die Kernkraft vor einem Jahr mit harter Arbeit – trotz der Steuersenkungen. 

Torbjörn Wahlborg fasst das vergangene Jahr wie folgt zusammen:

„2016 war ein gutes Produktionsjahr mit einer hohen Verfügbarkeit und einer stabilen Produktion. Bei der Wasserkraft gab es 2016 eine gute Produktionsleistung, und auch die Verfügbarkeit der Kernenergie war hoch. Forsmark 1 sowie Ringhals 1 und 4 haben im Dezember den Produktionsrekord gebrochen. Services Nordic hat neue Verträge gezeichnet, beispielsweise mit Vattenfall Distribution und dem Netzausbau für Fingrid, dem finnischen Pendant zu Svenska Kraftnät.“

„2017 kann jedoch ein noch besseres Jahr werden, wenn wir weiter daran arbeiten, unsere Arbeitsmethoden zu verfeinern und einige offensichtliche operative Fehler vermeiden, die im vergangenen Jahr zu Produktionsausfällen geführt haben.“

Gut soll noch besser werden. Wie soll das gehen?
„Ich bin überzeugt davon, dass dies mit harter Arbeit möglich ist. Das Ziel ist es, die durchschnittlichen Produktionskosten der Kernenergie im Jahr 2021 von den knapp 30 Schwedischen Öre pro Kilowattstunde in den Jahren 2014 bis 2015 auf 19 Öre pro Kilowattstunde gesenkt zu haben. Das ist eine schwierige Aufgabe, aber uns kommt dabei zugute, dass die Leistungssteuer abgeschafft wird, auf die im Schnitt 6 bis 7 Öre pro Kilowattstunde entfallen. Den Rest müssen wir allerdings allein bewältigen, weshalb sich nun alle Betriebe schwerpunktmäßig damit befassen, ihre Effizienz zu steigern und damit auch ihre Rentabilität zu erhöhen.“

Sich ausschließlich auf seine Kosten zu konzentrieren, das klingt nach einer undankbaren Aufgabe.
„Unser Schwerpunkt liegt nicht ausschließlich auf den Kosten, sondern die Sicherheit hat bei uns weiterhin oberste Priorität. Es ist trotzdem wichtig, dass wir uns stets auch auf die Wirtschaftlichkeit konzentrieren. Wir befinden uns in einer schwierigen Situation mit langfristig niedrigen Strompreisen, Überkapazitäten und einem gewissen Investitionsbedarf. Es bleibt uns aber nichts anderes übrig, als dies zu akzeptieren und weiterzumachen. Es gibt aber auch gute Neuigkeiten: sich aktiv mit den Kosten auseinanderzusetzen, führt zu sichtbaren Ergebnissen.“

Wie aber ist es um die Sicherheit bestellt, wenn die Arbeitsprozesse verschlankt und die Kosten gekappt werden?
„Effizienter zu arbeiten darf niemals bedeuten, Abstriche bei der Sicherheit zu machen, und das gilt für alle Betriebe. Innerhalb von Vattenfall haben wir das so organisiert, dass es auf mehreren Ebenen Funktionen gibt, die reagieren, wenn Abweichungen in unserer Sicherheitskultur festzustellen sein sollten. Sicherheit ist nicht die Aufgabe der anderen. Es geht darum, wie wir alle unsere Aufgaben lösen – jeden Tag.“

Vattenfall soll innerhalb einer Generation fossilfrei sein. Was bedeutet das für BA Generation?
„Dass wir uns niemals bequem zurücklehnen und zufrieden sein können. Die Wasserkraft und die Kernenergie zeichnen sich durch sehr niedrige Kohlendioxidemissionen in der Produktion aus. Wir sollten stolz auf die Umweltfreundlichkeit dieser Energieformen sein. Seit 2010 hat unsere Kernenergie ihre, über den gesamten Lebenszyklus hinweg betrachtet, bereits niedrigen CO2-Emissionen um mehr als die Hälfte reduziert.“

Wo aber gibt es denn noch weiteres Verbesserungspotenzial?
„Bei der Elektrifizierung der Transporte. Das Autofahren ist eine bedeutende Emissionsquelle. Daher gilt: grünes Licht für mehr elektrifizierte Transporte und keine fossilen Verkehrsmittel mehr. Das sollte das nächste große Umweltthema werden. Bei Services Nordic sind es die Transporte und die Maschinenanlagen, die Klimaauswirkungen haben. Daher werden wir jetzt einmal scharf nachdenken und unseren Transportbedarf sowie unsere Fahrzeugflotten einer Kontrolle unterziehen. Gleichzeitig müssen wir aber auch stolz darauf sein, dass Vattenfall mit der Elektrifizierung der Verkehrsinfrastruktur eine Vorreiterrolle einnimmt.“

„Unsere Kernbrennstofflieferanten arbeiten kontinuierlich an ihren Klimaauswirkungen, und es werden neue, energieeffiziente Produktionsmethoden eingeführt. Wir beobachten also unsere Lieferanten hinsichtlich ihrer Umweltverträglichkeit. Das schließt auch Fragen zum Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz mit ein.“

Gibt es etwas, über das Sie besonders stolz sind, wenn Sie das Jahr 2016 Revue passieren lassen?
„Alle unsere Mitarbeiter. Denken Sie nur an das Wiederanfahren von Ringhals 2 nach mehr als zwei Jahren Stillstand und die umfassenden Renovierungsarbeiten.“

Welche großen Ereignisse liegen in diesem Jahr vor BA Generation?
„Unser Weg hin zu einem effektiven Ausstieg aus der Kernkraft ist wichtig, denn auf diese Weise schaffen wir auch die Möglichkeiten für den Langzeitbetrieb unserer anderen Reaktoren. Schließlich wollen wir unsere Reaktoren aus den 1980er-Jahren noch bis in die 2040er-Jahre hinein betreiben.“

„In Deutschland, also in Krümmel und Brunsbüttel, haben wir damit begonnen, den verbrauchten Kernbrennstoff aus den Reaktoren abzutransportieren. Für Ringhals planen wir derzeit zwei entscheidende Maßnahmen gleichzeitig. Wir planen die optimale Durchführung der Stilllegung von Ringhals 1 und 2. Für Ringhals 3 und 4 haben wir jedoch eine Betriebszeit von 60 Jahren geplant. Darüber hinaus laufen ebenfalls Planungen für den im Herbst 2017 erwarteten Investitionsbeschluss hinsichtlich einer unabhängigen Reaktorkühlung.“

„Ein kleines historisches Ereignis ist die kommende Hauptverhandlung des Land- und Umweltgerichts im Fall von Svensk Kärnbränslehantering, SKB, das ein Endlager für ausgebrannte Kernbrennstoffe in Forsmark zu bauen plant. Die schwedische Strahlenschutzbehörde, SSM, hat nämlich im vergangenen Jahr festgestellt, dass die Methode KBS-3 von SKB die gestellten Anforderungen hinsichtlich des Strahlenschutzes erfüllt.“

Welche Auswirkungen hat der Beginn der Stilllegungsverfahren für mehrere Reaktoren auf die Kernkraft?
„Einige Reaktoren werden stillgelegt werden, aber die Mehrzahl wird weiterhin betrieben. Die Kernenergie ist eine Voraussetzung für eine effektive Umstellung. Ich bin davon überzeugt, dass immer mehr Menschen dies erkennen werden. Gleichzeitig muss unsere Kernkraft auch wirtschaftlich rentabel sein. Vor uns liegen also Jahrzehnte, die interessante, herausfordernde und spannende Aufgaben für uns bereithalten, aber das müssen wir dem Arbeitsmarkt auch sagen. Allein in diesem Jahr suchen wir hunderte neuer Kollegen für den Bereich Kernkraft.“

Wie sieht es bei der Wasserkraft aus? Fast unbeachtet findet eine Modernisierung der Wasserkraft statt. Dieser wird nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt wie der Kernenergie.
„Die Grundsteuer auf Wasserkraft soll bis 2020 noch kräftig herabgesetzt werden. Das ist auch notwendig. Die Wasserkraft ist der Akku Schwedens und eine großartige Regulierungskraft. Mehr erneuerbare Energien fordern einen höheren Bedarf an Regulierungskraft aus der Wasserkraft, und unsere Wasserkraftwerke waren noch nie auf einem so hohen technischen Stand wie heute. In den Jahren 2002 bis 2016 hat Vattenfall mehr als 13 Milliarden in Wartungs- und Renovierungsmaßnahmen investiert. Akkats wäre ein Beispiel. 2008 wurde  die Turbine beschädigt. Die Arbeiten zum Austausch des Aggregats mit 150 Megawatt durch zwei Aggregate mit jeweils 75 Megawatt dauerten acht Jahre lang. Wir haben dadurch jedoch sehr viel Flexibilität und Redundanz gewonnen. Und wir haben Strom erzeugt, noch während die Arbeiten ausgeführt wurden.“

Services Nordic geht in Finnland in die Offensive. Wie schaffen sie es, allen neuen Verpflichtungen nachzukommen?
„Nun ja, in dem Fall heißt das: Leistung bringen! Wir haben mehrere große Geschäfte abgeschlossen. Wir hoffen jetzt, dass weitere Netzunternehmen unsere Kompetenz erkennen, und dass die Geschäfte in die richtige Richtung gehen. In Schweden wird Services Nordic außerdem auch an der Ausschreibung von Ellevio (ehemals Fortum) teilnehmen, bei der im Rahmen eines Vergabeverfahrens Serviceverträge für Teile des Netzes des Unternehmens vergeben werden. Wahrscheinlich werden wir nicht für alle Ausschreibungen den Zuschlag gewinnen. Aber: wenn wir weitere Aufträge generieren, können wir vielleicht sogar neue Mitarbeiter einstellen.“

Engagierte und motivierte Mitarbeiter: Was bedeutet das für Sie?
„Wir müssen unsere Kompetenzen bei der Arbeit jederzeit einsetzen. Wir müssen jeden Tag über die Strategie sprechen – aber den Worten auch Taten folgen lassen. Wir müssen durch Mitarbeiteruntersuchungen und auf andere Weise bei unseren Mitarbeitern Feedback einholen. Wo Maßnahmen notwendig sind, müssen wir diese umsetzen. Gleichzeitig muss aber auch jeder die Verantwortung für seine persönliche Weiterentwicklung übernehmen.“

„Für Vattenfall hält die ethnische Vielfalt fantastische Möglichkeiten bereit und wir können feststellen, dass wir diesbezüglich noch ganz am Anfang stehen. Vielfalt sorgt dafür, dass wir uns als Unternehmen weiterentwickeln können. Auf diese Weise können wir den Menschen die Integration in die Gesellschaft erleichtern. So werden alle zu Gewinnern.“

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