AUF DER HÖHE

DÄNEMARK Rikke Juul Balle hat zwar einen Schreibtisch, aber keinen typischen Bürojob. Einen Teil ihrer Arbeitszeit verbringt sie hoch oben in der Luft, an dicken Seilen von einem Windrad hängend.

Vor einigen Jahren begab sich Rikke Juul Balle, Turbinenspezialistin, in China im Aufzugskorb eines knarrenden und quietschenden Lkw 40 Meter in die Höhe, um die Turbinenschaufeln eines Windrads zu prüfen. Nach diesem schwindelerregenden Erlebnis beschloss sie, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und sich zur Industriekletterin ausbilden zu lassen, um bei ihrer Arbeit die Kontrolle zu behalten.

„Es fühlt sich toll an, wenn ich mich mit den Seilen frei bewegen kann. Sonst kann man sich nur im Korb bewegen, den die Kollegen am Boden steuern. Ich fühle mich frei und unabhängig. Darüber hinaus ist es eine schnelle, einfache und kostengünstige Lösung, die auch äußerst sicher ist, da zwei separat angebrachte Seile verwendet werden", erklärt Rikke.

 

Rikke ist begeistert von der Möglichkeit, sich sowohl bei Onshore- als auch Offshore-Turbinen in einer Höhe von 100 Metern über der Erde oder der Nordsee abzuseilen.

Nach 13 Jahren bei einem Hersteller von Turbinenschaufeln kam Rikke im August 2012 zu Vattenfall. Ihre Erfahrung kommt ihr nun bei der Inspektion von Turbinenschaufeln zugute, die sowohl bei der Neulieferung als auch zum Ende des Garantiezeitraums erforderlich ist. Ihr Team ist außerdem auf der Suche nach Möglichkeiten, wie man die Leistung alter Turbinenschaufeln optimieren kann. Rikke und ihre Kollegen haben verschiedene Arten von optimierten Turbinenschaufeln installiert, um die Auswirkungen zu testen und auszuwerten, welche Verbesserungen verstärkt bei Vattenfalls Windparks verwendet werden sollten.

Laut Rikke lassen sich am Tag im Schnitt zwei Turbinenschaufeln inspizieren.

„Wenn ich in Begleitung eines externen Turbinenspezialisten an den Seilen von einem Windrad herabhänge, lerne ich eine Menge. So sehe ich neue, makellose Schaufeln im Vergleich zu solchen, die schon zehn bis 15 Jahre in Betrieb sind", erläutert Rikke. „Kleine Risse oder abgeblätterte Farbe können wir dort oben selbst ausbessern. Sind die Schäden an den riesigen Schaufeln aber größer, braucht man eine Spezialausrüstung." Wenn Rikke dann an ihrem Schreibtisch sitzt und Dokumente, Garantieunterlagen sowie technische Spezifikationen wälzt, greift sie auf ihre praktischen Kenntnisse zurück.

Insbesondere an kleineren Standorten und wenn es nur wenige Turbinenschaufeln gibt, nutzt Rikke lieber ihre Kletterausrüstung anstatt Körbe oder Drohnen. Das ist einfacher als das erforderliche Gerät zu mieten oder Drohnen zu verwenden, für die man eine Fluggenehmigung und ein Unternehmen mit einem teuren System zur Bearbeitung der Informationen brauche.

Ähnliche Themen